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Ab Mitte Oktober ist für den Mitarbeiter im städtischen Rathaus, Amt für Kultur und Sport, nach 45 Jahren Plackerei und Knechtschaft endlich Schluss. Der „Unruhestand” kann beginnen. Und Peter Schüßler, listig, bisweilen etwas derb, oft hintersinnig, nimmt sich die Freiheit, schließlich ist er als Narr im Verein Frohsinn groß geworden, die Dinge kritisch, aus der Sicht des „Kleinen Mannes" zu hinterfragen. Nach eigener Aussage schaut er den Bürgern aufs Maul und den Politikern in die Seele. Dann zückt er seinen Narrenspiegel. Denn wenn er das Gefühl hat, dass wir — und da ist er einer von uns —, beschissen werden, muss das raus, da nimmt er kein Blatt vor den Mund. Dabei nimmt er sich selbst gründlich unter die Lupe und schont sich nicht. „Denn wer über sich selbst nicht lachen kann, den nimmt niemand ernst". Das ist „Schüsseln” Philosophie. Ähnlich formulierte das bereits 1508 Erasmus von Rotterdam in seinem Lob der Torheit „Was den Vorwurf der Bissigkeit angeht, sollte man bedenken, dass es zum Vorrecht des Künstlers gehört, sich straflos über das menschliche Leben lustig zu machen, vorausgesetzt, dass die Freiheit nicht in Gehässigkeit ausartet. Wer schließlich keinen Stand ungeschoren lässt, nimmt nicht die Menschen, sondern ihre Fehler aufs Korn.” In der wunderbaren Welt des Peter Schüßler wird so mit schrägem, ungewöhnlichem Blick alles aufs Korn genommen und neu geordnet. Hier seine Vision zum Schwimmbad in Oberursel, das gerade Thema eines Workshops war. „Der Kultur-Graf — im Braukeller weiß an diesem Abend jeder, wer das ist – wird Bademeister, im Sprungbecken schwimmt der weiße Hai und auf den großen Liegewiesen darf sich ein Braunbär tummeln. Das Stadtmarketing wirbt dann zugkräftig für den „einmaligen Besuch” im neuen Erlebnisbad Orschel". Auch wenn sein geliebtes Orschel durch Events an fast jedem Wochenende inzwischen zur Partystadt mutiert, abends, wenn er mit seinem Flocki durch die Vorstadt schlendert, ist „tote Hose” stellte der Kabarettist fest. Dafür haben „kurzsichtige Brötchenesser” in Orschels City die Qual der Wahl und Seniorenheime schießen wie Pilze aus dem Boden”, bemerkte er lapidar. Sein Rat an die Kollegen im Stadtmarketing: „Ein Sexshop” muss her, das belebt das Angebot. Denn beim Thema Nummer eins und Frauen ist die Schüssel immer auf der Höhe der Zeit. Über eine gewissen Frau Herrmann, die die Frauen wieder hinter den Herd schicken will, kann er sich nur wundern, schließlich sind die Knöpfe am Herd immer vorn, da kennt er sich aus. Seine ganz eigenen Gedanken macht er sich über unsere Regierung, ihre Reformpläne und die geplante Steuererhöhung. „Wir werden doch so regiert, wie Frau Simonis getanzt hat”, lautete seine Erkenntnis dazu. Und Beamte braucht man nicht zu fürchten, schließlich tun die nichts, sondern sind tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen. Der Fußball- und bekennende Eintrachtfan zieht nach der Pause, die Deutschlandfahne schwingend, durch den Braukeller auf die Bühne ein und bietet dem fröhlichen Publikum seine Interpretation des WM-Fiebers, das ganz Deutschland befallen hatte. In seinem Programm nimmt er auch den Pabstbesuch unter seine kritische Lupe. Und seine Frieda, von der er sich auch in seinem neuen Leben nicht befreien kann, sorgte an diesem Abend dafür, dass er immer im rechten Licht stand. Und als – wie geschehen – die Lichter im Braukeller für einen kurzen Moment ausgingen, und er im Dunkeln stand, war sie mit einer Kerze zur Stelle. In der Schüssel-Familie hilft man sich schließlich gegenseitig. Hilfe für Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, ist für Peter Schüßler ein wichtiges Anliegen. Für sein soziales Engagement spannt er alle seine Freunde und Fans ein. Wie in der Vergangenheit hat er sich auch in diesem Jahr wieder vorgenommen, einer Familie, die in Not geraten ist, auf die Beine zu helfen und sie zu unterstützen. Und die Familien, denen er in den letzten drei Jahren unter die Arme gegriffen hat, haben es alle wieder geschafft, Fuß zu fassen, berichtete Schüßler stolz. Im Braukeller tritt Peter Schüßler, der schnoddrige Kabarettist mit dem großen, weichen Herzen und der helfenden Hand, mit seinem Programm „Endlich Frei!” noch bis zum Jahresende auf. Die Termine sind am 13. und 25. Oktober, 3., 4., 17., und 18. November sowie Nichtrauchervorstellungen am 27. und 28. Oktober, 24. und 25. November sowie am 16., 27. und 28. Dezember. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.
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