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Die "Schüssel" sagt, was andere nur denken
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Peter Schüssler, Frohnatur und Comedian, feiert zehnjähriges Bühnenjubiläum und grübelt über"s Aufhören nach
Von Jürgen Streicher
Oberursel · 19. Juli · Wenn er kommt und böse Zungen das Anrollen nennen, ist er nicht zu übersehen. Bei 110 Kilo Lebendgewicht, verteilt auf 171 Zentimeter Körpergröße, kein Wunder. Keiner trägt es so leicht wie er. Dem Mann mit den meist lustig blitzenden blauen Äuglein sitzt der Schalk auch im Nacken, wenn es um ihn selbst und seine massive körperliche Präsenz geht. So lieben sie ihn, die Schüssel-Fans: als Frohnatur und Spaßmacher, als Comedian, der dem Leben die Schwere nimmt. Als angenehmen Menschen, der den ganz normalen Wahnsinn in einem Provinznest wie Oberursel lebt. Niemals würde er sich verstecken und so tun als ob das anders wäre.
Weltgeist im Kleinbürgermief
Vom alltäglichen Wahnsinn erzählt der selbst ernannte Kleinbürger aus der Oberurseler Altstadt mit der spitzen Zunge am liebsten. Was eben so alles passiert im kleinen "Orschel", das so gerne ein bisschen Weltgeist versprühen möchte. Natürlich schweift er auch ab in die große Welt, wenn er im Keller des Alt-Oberurseler Brauhauses vor seine bekennenden Fans tritt, vieles aber ist reines Lokalgelästere. Da kann es schon mal anrüchig werden, nicht ganz stubenrein eben. Die eine oder andere Zote, das ist er seinem Publikum schuldig, die "Schüssel" spricht aus, was viele denken.
Dass er seine ersten Solo-Auftritte im Brauhaus-Keller "irrtümlich Kabarett" genannt hat, wie er heute einräumt, mag denen geschuldet sein, die ihn "motiviert und inspiriert" haben wie Gerd Dudenhöfer alias Heinz Becker. Niemals aber würde er sich erlauben, sich mit Größen der Szene wie Hildebrandt und Jonas, Riechling oder Priol zu vergleichen. Auf Comedy hat er sich mit sich selbst geeinigt. Einer der den "Bürgern aufs Maul schaut und ausdrückt, was die Leute denken, sich aber nicht trauen zu sagen". Aber nicht mehr unter der Gürtellinie ansetzen, sondern ein bisschen höher. Weil es ihn schon gewurmt hat, als ein Kritiker seinen ersten Ausflug ins Kabarett als Tiefflug bezeichnet hat und ihm sein damaliger Chef, Kulturdezernent Peter Schneider, angeraten hat, den Artikel genau zu studieren.
Den Spagat zwischen Beruf (bei der Stadt) und "genehmigter Nebentätigkeit" (als satirischer Kritiker der Kommunalpolitik und damit seiner Dienstherren) bewältigt er spielend. "Das müssen die vertragen, Satire gehört zur Politik." Dienst und Comedy sind zwei paar Schuhe, im Rathaus begegnet man sich mit gegenseitigem Respekt in der entsprechenden Form, im Biergarten ist man per Du. Und überhaupt: "Es ist ja auch was Kulturelles, was ich für die Stadt mache - egal in welcher Kiste jetzt."
Stimmt. Im Sport- und Kulturamt hat er angeheuert, als er nach einem siebenjährigen Ausflug in die bayrische Gastronomie zurück nach Oberursel kam. Die Frau schwer krank, binnen kurzer Zeit zum Schwerstpflegefall geworden. Doch die Frohnatur, so sieht er sich selbst, ist im Leben geblieben. Hat als Platzwart bei der Stadt angefangen. War im eingeschworenen Team des "Amts 50" für die Organisation städtischer Feste mit zuständig und entdeckte seine unterhalterischen Fähigkeiten als Moderator bei der diversen Veranstaltungen. Und hat sein komödiantisches Talent als "Clown und Alleinunterhalter" bei vielen Fahrten der Alten Herren des FC 04 geschliffen, ehe ihn der legendäre Fastnachter Heinz Ohl mit seiner sonoren Stimme in die Frohsinn-Bütt rief. Ein Mann mit Blick für das, was einen Großen in der Bütt ausmacht.
Als "Schüssel" im Alleingang
Das Solo-Programm als "Schüssel" war für Kenner der Szene eine logische Folge seiner karnevalistischen Auftritte, die ihm als Betätigungsfeld nicht mehr ausreichten. Der Mann kann einfach Abend füllend schwätzen. Und er liebt das Spiel mit dem Publikum, den Smalltalk en passant beim Gang durch die Reihen, das freie sich spontan ergebende Spiel. Sein Publikum auch. Ein wichtiger Gradmesser für Peter Schüssler, der auch davon seine Zukunft in der Bütt und auf Bühnen abhängig machen will.
Er weiß, wie nah der Abgrund liegt, wenn vor allem bei einem fremden Publikum der Funken nicht schnell überspringt. In "Orschel" ist das meist kein Problem, da hat er ein Heimspiel. Mit vier Vorstellungen im Brauhaus begann die Erfolgsstory im Herbst 1996, inzwischen sind zwei Dutzend Veranstaltungen im Winterhalbjahr ausverkauft. "Zehn Jahre habe ich Spaß gehabt, aber man muss auch ans Ende denken", sagt er nachdenklich. Das Problem des Künstlers, im richtigen Moment abzutreten. Peter Schüssler traut man die richtige Entscheidung zu. "So lange ich das Gefühl habe, dass die Leute das hören wollen, ist es okay." Und da ist noch das Vertrauen in seine neue Lebensgefährtin Nicole. "Sie würde mir sagen, wenn es Zeit ist abzutreten."
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