Diese Schüssel hat noch Biss

Von Christine Schöning

Oberursel. Angefangen hat alles mit einer Büttenrede. Als «Ballett-Girl von Orschel» wagte sich Peter Schüßler zum ersten Mal beim Verein Frohsinn auf eine Bühne. Das war für den kabarettistischen Spätzünder, wie er sich selbst nennt, der Startschuss für eine zweite Karriere als Comedian. In diesem Jahr steht «die Schüssel» seit zehn Jahren auf der Bühne und feiert dies am Freitag, 23. September, mit einem ComedyAbend «Schüssel und Freunde» in der Stadthalle.

Zehn Jahre «Quatsch machen», wie Peter Schüßlers sechsjähriger Sohn Julian Papas späte Berufung nennt, das gibt Anlass für den Comedian, zurückzublicken. «Ohne den Frohsinn wäre ich vielleicht nie auf die Bühne gekommen», sinniert er. Doch er hat es gewagt und Spaß daran gefunden. Die eigentliche Initialzündung gab aber Gerd Dudenhöffer, besser bekannt als Heinz Becker, den Peter Schüßler vor zehn Jahren in der Stadthalle sah. «Das hat mir echt Spaß gemacht und mich auf die Idee mit meiner imaginären Familie gebracht», erinnert sich der Rathausmitarbeiter. Nur für diejenigen, die «die Schüssel» nicht kennen: Sie kommt nie allein auf die Bühne, sondern hat immer noch Ehefrau Frieda, Sohn Heinz-Rüdiger, der «nie über die Volksschule und die Pubertät hinausgekommen ist», sowie Hund Flocki dabei. Die Familie ist der rote Faden, der sich durch jedes Programm hindurchzieht. «Ich wollte, dass es ganz einfache Leute sind, die bei allem mitreden und viele Leute glauben ja bis heute, dass es die alle wirklich gibt», schmunzelt Peter Schüßler. Groß sei da manchmal die Enttäuschung der Fans, wenn sie die «echte Frieda», seine Frau, kennen lernen .
Aber auch, wenn viele Orscheler «die Schüssel» kennen und mögen, es gab auch Kritik an Schüssels Scherzen. Zu derb und sexistisch, hieß es da. «Die erste Show brachte mir einen Zeitungsartikel ein mit der Überschrift ‚Schüssel im Tiefflug’», erinnert sich der 57-Jährige. «Unser damaliger Dezernent Peter Schneider rief mich in sein Büro, zeigte mir besagten Artikel und riet mir, die Sache nicht allzu ernst zu nehmen. Trotzdem habe ich in geduckter Haltung sein Büro verlassen», erinnert er sich.

Aber es habe auch sehr schöne Momente gegeben, wie zum Beispiel Auftritte wie bei der Werder-Nacht im Marriott Hotel Frankfurt, bei der er mit Bundesliga- und Nationalspielern auf Tuchfühlung gehen konnte, oder ein Auftritt im Preungesheimer Frauengefängnis. Eins hat das Schlappmaul Schüssel aber mit Peter Schüßler gemeinsam: «Ich lasse mir nix gefallen », sagt er. In all den Jahren, in denen die Schüssel in seinem Programmen scharf gegen die Kommunalpolitik geschossen hat, sofern es nötig war, gab es aber niemals Ärger an seinem Arbeitsplatz im Rathaus. Peter Schüßler arbeitet dort seit vielen Jahren im Geschäftsbereich Kultur, Sport und Soziales. «Ich bin bisher nicht angeeckt, und Gerd Krämer, unser ehemaliger Bürgermeister und mein unmittelbarer Nachbar, hat mir mal bestätigt, dass er mir nichts verübelt. Er übernimmt sogar die Schirmherrschaft für den Comedy-Abend», verrät Schüßler.

Lampenfieber vor seinen Auftritten, auch da plaudert der Comedian aus dem Nähkästchen, habe er nie verspürt, eher so ein Kribbeln. «Jede Vorstellung ist für mich ein Highlight, denn es ist immer ein anderes Publikum, und wenn dann der Funke übergesprungen ist, weißt du, es hat sich mal wieder gelohnt», schwärmt er. Vielleicht ein Grund, warum er noch lange nicht ans Aufhören denkt, selbst wenn er in seinem Hauptberuf im September 2006 in Altersteilzeit geht. Irgendwann müsse man aufhören, sagt er – wenn die Gesundheit nicht mehr mitmache oder der «Biss raus» sei.

Mit «Schüssel und Freunde» tritt der Comedian am Freitag, 23. September, von 20 Uhr an in der Stadthalle auf. Karten gibt es ab sofort beim OK-Service in der Kumeliusstraße für 15 Euro inklusive Gebühren.

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