Die Oberurseler lieben "Schüssels" Humor

Mit karnevalistischer Komik bringt Spaßmacher Peter Schüssler seit zehn Jahren das Lachfreudige Volk zum Toben

Seit zehn Jahren tritt Peter Schüßler als „Schüssel” im Alt-Oberurseler Brauhaus Vetter mit seiner Comedy-Show auf. Jeder der jährlich 20 Auftritte ist ausverkauft. Schüßlers Geheimrezept: Er bringt den Humor aus der Karnevals-Bütt auch außerhalb der närrischen Saison unters lachfreudige Volk.


OBERURSEL • 8. NOVEMBER • Diesen Dackelblick scheinen die Leute zu lieben. Mit einer Mischung aus Wehmut und Verwunderung sieht Peter Schüßler ins Publikum, das nach dem letzten Gag gar nicht mehr mit dem Lachen aufhören will. „Ei, ihr Leut, wenn mer so weitermache, wern mer heut gar net mehr ferddisch”, sagt Schüßler alias „Schüssel”. Das Resultat: eine Verlängerung des Lachens. Kein Zweifel, die Oberurseler lieben die Art von Humor, die sie aus dem Mund der „Schüssel” vernehmen.

Lieblingsfeind Küblböck


Keiner wird geschont. Am wenigsten Daniel Küblböck, der Lieblingsfeind des kleinen Mannes, den die Bühnenfigur „Schüssel” verkörpert. Gefolgt von Kanzler Gerhard Schröder, der mit seiner Politik seit einiger Zeit selbst eingefleischte Sozialdemokraten zum Fremdgehen an der Wahlurne zu bringen scheint. „Schröder hat nur eine einzige Chance, nach 2006 im Kanzleramt zu bleiben”, sagt Peter Schüßler etwa, schweigt einen Moment und genießt die Spannung im Keller. „Wenn er die Merkel heiratet”, sagt er und erntet einen weiteren Lacherfolg.
Vor allem die von Peter Schüßler erdachte Familie des „Schüssel” beschert ihm ungezählte solcher Lacher. Die meisten gehen auf das Konto von „Schüssels” imaginärer Frau „Frieda”. »Wenn ich auf ihr drauf liege, kriege ich Höhenangst, wenn ich unter ihr liege, Platzangst, und wenn ich neben ihr liege, sehe ich den Fernseher nicht mehr", beschreibt die Schüssel die Maße seiner Frau. Oder schildert einen Brief ans Finanzamt, der so lautet: »Liebes Finanzamt, meine Frau ist eine außergewöhnliche Belastung, und Sonderausgaben macht sie auch." Pause für Lacher. „Wo kann ich sie absetzen?” Noch mehr Lacher. Dass ausgerechnet die Frauen im Publikum, die dem Alter nach als langjährig verheiratet gelten dürften, am lautesten über solche Gags mit Andeutungen in Richtung unter der Gürtellinie lachen, ist eines der Phänomene der Schüßlerschen Komik. Es ist die Art von Humor, die man aus dem Karneval kennt. Und auch die Art, wie Peter Schüßler seine episodischen Geschichten vorträgt, stammt aus der Bütt.
In der Pause erzählt der gut aufgelegte, freundlich wirkende 57-Jährige, dass seine Anfänge tatsächlich in der Bütt lagen. Vor 15 Jahren machte er die ersten Karnevalsversuche. Wegen des großen Erfolges beim Publikum baute er sein Hobby weiter aus. In anderthalb Jahren, wenn Peter Schüßler seinem derzeitigen Arbeitgeber, dem städtischen Sport- und Kulturamt, Adieu sagt und in den Ruhestand wechselt, will er sich stärker seiner Kleinkunst widmen, die von dem Begriff Kabarett nicht wirklich passend beschrieben wird. Dann kann er sich ganz dem Schreiben seiner Abend füllenden Stücke widmen, für die er das ganze Jahr über Anekdoten sammelt. Die Privatperson Peter Schüßler, das stellt sich im Gespräch heraus, ist keineswegs auf den Spaßmacher auf der Bühne und in der Bütt zu reduzieren. Schüßler kennt auch die dunkleren Seiten des Lebens. Seine Ehefrau erkrankte vor vielen Jahren sehr schwer.
Doch sein Privatleben mag er nicht weiter ausbreiten. Nur so viel: Heute lebt ei glücklich mit seinem 23-jährigen Sohn Björn aus der ersten Ehe, seiner neuen Lebensgefährtin Nicole und dem fünfjährigen gemeinsamen Sohn Julian zusammen. „Das: gibt mir Rückhalt”, sagt er. Rückhalt, den ei seit einigen Jahren mit regelmäßigem sozialen Engagement an in Not geratene Oberurseler oder kranke Kinder weitergeben will.

                   
                           Peter Schüßler reißt sein Publikum im Braukeller an der Oberurseler Ackergasse derzeit zu Lachstürmen hin

zurück