Mit "Alt" und "Entf" löst Schüssel das Rentnerproblem

Oberursel (ach). Ungläubiges Raunen im Braukeller. Eine visionäre Stimme verkündet das Unfassbare: Schlüsselerlebnisse hätten Schüssel veranlasst, Orschel den Rücken zu kehren und künftig Champagnerluft zu schnuppern. „Sowas wird's nie geben”, frohlockt die Stimme, die Leute klatschen, Schüssel zieht ein und strapaziert 90 Minuten lang die Lachmuskeln seiner Mitbürger.
Die Schüssel-Zeit ist mit der Premiere seiner „Sch(l)üsselerlebnisse” wieder angebrochen in der Brunnenstadt. Und „der Orscheler” schlechthin lässt es gleich'wieder richtig krachen im Braukeller' des Alt-Oberurseler Brauhauses, als er von seiner Familie erzählt: „Frieda liebt die Natur trotz allem, was sie ihr angetan hat.” Als sie ihn um 100 Euro bat, um sich wieder mal herrichten zu lassen, gab er ihr 200 mit den Worten: „Lass dich dafür lieber hinrichten.” Er liebt sie zweifellos, auch wenn sie ihm einen „Schneewittchen-Komplex” verpasst hat, als sie mit Blick auf seinen Bauch feststellte: „Hinter diesem Berg, da wohnt ein Zwerg.” Nein, er nimmt sich selbst nicht aus, wenn er wieder gehörig in alle Richtungen austeilt. Und weil er selbst oft mehr Fett abkriegt als die anderen, darf ihm auch keiner seine manchmal derbe Ehrlichkeit übel nehmen.
Er wundert sich, dass die Kakerlaken nicht „kübelböckln” mussten, als sie mit Daniel im Glascontainer eingesperrt waren, und dass Lisa Fitz den Rucksack von Luis Trenker im Urwald als Gesicht trägt. ,;Aber nicht nur Promis haben einen an der Klatsche", stellt er fest und leitet damit zur „Regierung Schröder” über, die jetzt „sogar an die Spardosen der Kinder gehen” wolle. Um Renten zu sparen lasse sie jetzt sogar schon Computerexperten daran arbeiten, Senioren im Internet verschwinden zu lassen. Wozu sonst wären die Tasten „Alt” und „Entf” am PC gut? Um die Politik zu verstehen, wartet Schüssel auf eine „Regierungserklärung”, die ihren Namen verdient, denn er könne sich das alles nicht mehr erklären. Er sieht „nur eine Chance, wie der Schröder noch mal Kanzler wer-den kann: Indem er die Merkel heiratet! Aber dann setzt die Köpf-Schröder ihren Namen in die Tat um”, fürchtet er.
Nach der Pause widmet sich der singende Schüssel seiner Heimat: „Ja lebt denn "die Orscheler Vorstadt noch?" fragt er sich. Über dem Epinayplatz kreist der Pleitegeier auf vergeblicher Suche nach etwas Grünem.
Wenn dort bald ein Altenheim entsteht, kann Heino vor der Häfner-Gedächtnis-Pyramide sein Lied singen: „Mit dieser Pyramide fing der Blödsinn an, den ich nie vergessen kann.” Autofahrer mit dem Poller-Koller suchen inzwischen schon über Google einen Park-platz in der Innenstadt. Ob das Bürogebäude an den Drei Hasen niemand mieten oder vermieten will, hat er noch nicht heraus gekriegt, ebenso wenig, ob's die CDU noch gibt. Manches dagegen ist sicher: Dass kein Grill mehr ohne Bürgerbeteiligung und Plan-feststellungsverfahren aufgestellt werden darf, und dass es wieder „leise sein” muss beim Brunnenfest, wenn „Orschel feiert”.
Der Abstieg der Frankfurter Eintracht hat Schüssel schwer getroffen. Ein Trost nur, dass wenigstens nicht Offenbach ihren Platz in der Bundesliga eingenommen hat. Die Nationalmannschaft bei der EM sei das Spiegelbild unserer Gesellschaft gewesen: „Vier Junge ziehen sieben Rentner durch.” Und nach dem Spiel gegen Holland war Schüssel „leergutmäßig schon im Finale”. Dass es durch einen deutschen Schiedsrichter gepfiffen wurde, habe eines deutlich gemacht: „Mit einer Pfeife kannst ins Endspiel kommen, aber nicht mit elf.”
Dabei sein ist alles, das hätten sich auch die deutschen Olympioniken gedacht. Wenn sie wirklich mal Gold hatten bei der Military, hätten sich gleich die Alliierten wieder solidarisiert und es ihnen weggenommen. Bei den Radfahrern habe er sich immer gefragt, ob es Leidenschaft ist oder die Benzinpreise, die sie so mächtig in die Pedale treten lassen. Höchste Bewunderung hat Schüssel für den Armstrong, der „nach einer beispiellosen Jazz-Karriere und dem ersten Flug zum Mond nun auch noch die Tour sechs Mal gewonnen” hat.
Zeit, sich mit der Schüssel-Fassung von „My Way” – „Lass uns ein' heben” – zu verabschieden, doch oh Schreck, die Worte sind weg! „Dabei ist das das einzige Lied, wo er immer gesagt hat, wenigstens da kann ich den Text”, kichert Schüssels Nicole mit großen „Frieda"-Buchstaben auf ihrem Shirt ins Mikro. Der Keller prustet vor Lachen. Im zweiten Anlauf klappt's und Schüssel darf stehende Ovationen entgegen nehmen. Was dann kommt, ist längst Kult: Sein Publikum und Schüssel schwören sich gemeinsam ewige Liebe: „Marmor, Stein und Eisen bricht ...”


                

 

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