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Treffen der Weihnachtsmannschaft im
Hochzeitssaal des Oberurseler Brauhauses von Thomas Studanski
Eine Oberurseler Weihnachtsgeschichte ...
Oberursel (ach). „Orschel hat 'nen Superstar` und dank des gleichnamigen Kabarettprogramms von Schüssel im Oberurseler Brauhaus nun auch einen eigenen Weihnachtsmann — genauer: eine ganze Weihnachtsmannschaft.
Denn sein Wunsch, in diesem Jahr einer Familie, die in Not geraten ist, unter die Arme zu greifen, hat eine Lawine
losgetreten.
Dass Peter „Schüssel” Schüßler ein großes Herz hat, braucht er nicht mehr zu beweisen. Trotz gewaltiger eigener Kosten hat er jedes Jahr ansehnliche Beträge aus den Erlösen seines Kabarettprogramms für soziale Zwecke zur Verfügung gestellt. Mal war es die Behindertenhilfe des Internationalen Bundes, mal der Verein für Muskelkranke oder die Stiftung Leberecht, die an Weihnachten bedacht wurden, und nach dem 11. September 2001 floss Geld zu einer Feuerwehrstation in New York. Erst vor wenigen Monaten trat der Künstler kostenlos beim Sommerfest im Frauengefängnis Preungesheim auf und begeisterte die Mädchen (wir berichteten). Nun hat er sich zusammen mit seinem Sponsor, der Firma Dayton Progress, für das Fest 2003 etwas Besonderes ausgedacht. In einer Zeit, da durch plötzliche Arbeitslosigkeit das Leben schnell aus den Fugen und Menschen schnell in einen Strudel geraten können, der alles nach unten zieht, wollte er dafür sorgen, dass eine betroffene Familie wenigstens ein sorgenfreies Weihnachtsfest feiern kann. Doch die Unterstützung. die er von Freunden und Geschäftsleuten erfährt, gibt Anlass zu der Hoffnung, dass die Familie sogar den Teufelskreis durchbrechen und über
Weihnachten hinaus wieder auf die Beine kommen kann.
Zusammen mit dem Leiter des Oberurseler Sozialamtes, Peter Hartmann, hat Schüssel unter Berücksichtigung des Datenschutzes eine Familie mit drei Kindern in Stierstadt ausgewählt. Die Firma des Vaters musste Insolvenz anmelden und plötzlich war man auf Sozialhilfe angewiesen. Kredite, deren Rückzahlung unter normalen Umständen kein Problem gewesen wären, drohen die Familie zu erdrücken. Die Miete kann nicht bezahlt werden, die Räumungsklage droht. „Oft hat die Mutter Probleme, alle satt zu kriegen”, berichtet Schüssel, „an eine dringend notwendige Reparatur des Autos ist gar nicht zu denken”. Dennoch hat der Vater eine Arbeit angenommen. bei der er im Verdienst sogar unter dem Sozialhilfesatz liegt. „Aber
er will wieder auf die Beine kommen”, so Schüssel, der ihn dabei unterstützen will und im Braukeller bei seinen Auftritten an seine Fans unter Angabe des Verwendungszweckes die von Dayton Progress gesponserte „Schüssel-Kap” für sechs Euro verkauft. „Die ging richtig gut weg', freut sich der Kabarettist. Und noch besser: Dadurch wurden andere auf die Aktion aufmerksam und machen jetzt einfach mit.
Die Liste ist lang. Roland Schubnell bringt in seiner Karosseriewerkstatt das Auto der Familie in Ordnung und hat angekündigt, dass er das weiter macht, bis das Vehikel endgültig den Geist aufgibt. Gleich drei Metzger — Josef Göbel, Joachim Lemanczek und Heinrich Wirtz — stellen für die nächste Zeit durch Gutscheine die Versorgung der Familie mit frischen Fleischwaren sicher. Aus seinem Sportshop in Schmitten steuert Karl Kilb Sportkleidung bei, der Friseur Joachim Kajba verpasst der gesamten Familie einen flotten Weihnachtshaarschnitt, Frank Steier von Getränke Jansen liefert gesunde Durstlöscher und das Backhaus Christoph Spreitzel leckere Plätzchen und Weihnachtsstollen zum Fest, an seinem Wochenmarkt-Stand auf dem Marktplatz hat Carlos Frydryk einen schönen Adventskranz und Weihnachtsbaum für die Familie ausgesucht und Brauhaus-Wirt Thomas Studanski liefert am Heiligen Abend das Weihnachtsmenue frei Haus. Was bleibt für Schüssel? „Da ist noch der Wunschzettel der Eltern und vor allem der Kinder”, sagt er mit glücklichem Lächeln. Darauf stehen zum Beispiel ein Fahrrad, die Shania Twain-CD, eine Mikrowelle, .... Den sehnlichsten Wunsch der Familie, die sehr beengt lebt, nach einer etwas größeren Wohnung kann Schüssel nicht erfüllen. doch er hofft auf die Mithilfe von Wohnungseigentümern, die sich mit einem annehmbaren Mietangebot gern an ihn wenden können. Und ganz schwach scheint sich auch ein Silberstreif am Horizont für eine besser bezahlte Arbeit abzuzeichnen.
Schüssel, der vorab schon als Nikolaus mit gefülltem Sack bei der Familie herein geschaut hat, hofft, dass die Aktion viele Nachfolger findet und er selbst mit seinen Sponsoren, Freunden, Helfern und vor allem seinem Publikum sie 2004 fortsetzen kann. „Man könnte nach Abschluss dieses überaus erfolgreichen Pilotprojektes einen Pool bilden, in den auch Sachleistungen eingebracht werden, um jedes Jahr einer Familie aus der Affäre zu helfen”, schwebt dem Weihnachtsmann von Orschel vor.
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