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Badeerlaubnis am Homm-Kreisel, Flugplatzbau im Maasgrund Oberurseler Comedy-Künstler Peter Schüßler zeigt mit "Sprung in der Schüssel" seine Stärke als Lokalmatador Von Ulrich Gross OBERURSEL. Da hätten die Oberurseler Stadtväter doch glatt die Chance gehabt, die städtischen Finanzen zu sanieren. Und dann scheitern sie beim Millionen-Quiz mit Günter Jauch schmählich an der schlichten Eingangsfrage: Wie viel Sack Zement braucht Stadtrat Häfner, um im Maasgrund einen Flughafen zu bauen? Wenn "Schüssel" alias Peter Schüßler in Oberursel ein Heimspiel gibt, ist der Saal immer voll besetzt So auch am Wochenende im Keller des Alt-Oberurseler Brauhauses, wo der 53-jährige Oberurseler sein neues Programm "Sprung in der Schüssel" präsentierte. Seine Verankerung im Karnevalsverein Frohsinn 1890 verleugnet Schüßler nicht: Bistrotisch und Barhocker sind auf der einfachen Bühne im Keller wie die Bütt auf der Prunksitzung - allerdings ohne Elferrat und Funkenmariechen im Hintergrund. Können Karnevalisten komisch sein? Was vielen von vornherein als unvereinbar scheint, macht "die Schüssel" seit 1996 als Solist in der Region erfolgreich vor. Schüßler ist präsent, auch schlagfertig, gerade vor dem Heimpublikum. Er selbst beschreibt seinen Humor als "nicht stubenrein", und das bezeichnet treffend, dass Feinsinnige, die gerne auf dem Teppich der politischen Korrektheit bleiben, sich in seinem Programm nicht wohl fühlen werden. Dazu zählen die überflüssigen Polen- und Österreicherwitze und manche der Ausführungen über die bessere Hälfte, die der Beschreibung nach genauso viel auf die Waage bringt wie der "hessische Meister im Sumo-Ringen", als den er sich angesichts des stolzen Eigengewichts selbst bezeichnet. Der Braukeller ist dem Bierzelt näher als dem Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper, wo das politische Kabarett zu Gast ist. Das weiß auch Peter Schüßler. Er selbst findet den Begriff Kabarett für sein neues Programm zu hoch gegriffen, möchte sich ins Genre Comedy einordnen. Karneval wie Comedy zeichnen sich weniger durch politischen Witz, sondern Witze über Politiker aus - über "Black Hair Gerdy" und Silberlocken-Edi. Mit seinem siebten Solo-Programm läuft Schüssels Motor für die fünfte Jahreszeit warm. Warum soll man dann einem Programm lauschen, das sich in Teilen für schale Kalauer und Pointen aus den unteren Schubladen des Humors nicht zu schade ist? Schüßler bildet auch die guten und kreativen Seiten des Karnevals in seinem Programm für die restlichen vier Jahreszeiten ab, indem er die Gefühle des Kleinbürgers ans Publikum bringt und an vielen Stellen zeigt, dass derb eben nicht nur doof ist - wohl aber manchmal ein Spruch geklaut (was auch nicht untypisch für den Karneval ist). Erstaunlich, mit wie viel Herzblut der Grand Prix d'Eurovision auf der Bühne gewürdigt wird. Und dass Fußball doch noch ein Breitensport ist, erhält bei Schüssel neue Anschauung. Dort, wo Schüßler seinen Blick auf lokale Ereignisse wirft, ist das Stemmeisen gegen feinere Waffen getauscht. Hier klappen die Übergänge von der Fußball-WM über den tagesschauweit bekannten Homm-Kreisel (Schüssel fordert die Badeerlaubnis in Brunnen bei außergewöhnlichen Ereignissen) zur Oberurseler Baupolitik problemlos. Mehr davon wäre gut, denn hier liegt auch eindeutig die Stärke eines Lokalmatadors wie Schüßler. Etwa: Ein Gutes habe der Leerstand bei den Oberurseler Geschäften - Ladendiebstahl sei kein Problem mehr. Sein Beitrag zu den missglückten Oberurseler Chanson-Tagen auf den ollen Hit "Frankreich" von den "Bläck Fööss" ist ein Glanzlicht, das das Narrenschiff an manchen Untiefen flacher Witze vorbei in sichere Gewässer lenkt. Das Gute werden Besucher von Karnevalssitzungen wieder hören. Schließlich ist am Aschermittwoch alles vorbei - oder doch nicht? • Weitere Aufführungen am 17./18. Oktober sowie am 6./7., 14., 16., 21./22. November im Alt-Orscheler Brauhaus Vetter, Ackergasse, jeweils um 20 Uhr.
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