Kiffer,
Kicker und Kanzlerkandidaten
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Von Stephan Drews
Oberursel. Wo der Mann "hinschüsselt", wächst
bestimmt kein Gras mehr. Mit der Auftaktveranstaltung zu seinem
neuen Comedy-Rundumschlag "Sprung in der Schüssel" füllte
Peter "die Schüssel" Schüßler einmal mehr den
Brauhauskeller. 105 Besucher waren zur Premiere gekommen, hungrig
auf neue, oft schmerzhafte Wahrheiten und Seitenhiebe auf aktuelle
Vorgänge in und um Orschel. Sie wurden nicht enttäuscht.
Zu dröhnender Ballermann-Musik betrat "Schüssel" den
Raum. Turnschuhe, zerfetzte Jeans, Mallorca-T-Shirt und
bayerischer Filzhut – beste deutsche Urlauberkluft spannte sich
um seinen Waschtrommelbauch. "Vorm Urlaub hat sich mei Aalde
noch schnell "en String-Tanga aus'm Spinnaker von de Gorch
Fock nähe lasse", erzählte der Mann, der seinen
beachtlichen Bauch auch "Frikadellenfriedhof" nennt. Das
Publikum honorierte "Schüssels" Gemeinheiten über
Feministinnen, Österreicher und Urlauber im Allgemeinen mit
begeistertem Applaus.
Dem "Urlaubsterror" folgten Szenen aus dem ganz normalen
Eheleben. "Gott schuf Mann und Frau – als er dann sah, was
er angerichtet hatte, schuf er Alkohol und Tabak", wusste Schüssel
zu berichten.
Mit Blick auf das Orscheler Rathaus wurde es dann politisch.
"Beamte werden ja nicht versetzt, sondern umgebettet",
erklärte der Kulturamts-Mitarbeiter selbstkritisch. Schüssels
satirisches Dauerfeuer ließ dem Publikum an den beiden
Tischreihen kaum Zeit zum Luftholen. Gewohnt derb kommentierte der
Komiker auch das Kanzlerduell: "Ich habe mir Blasen an den A.
. . geödet!" Nach "Schüssels" Meinung hätten
"ein paar Schwinger in die Fresse" für mehr Spannung
gesorgt. Spätestens hier war klar: "Schüssels"
Auftritte sind nichts für zarte Gemüter und Freunde der leisen Töne.
Für eine Zeitreise zurück in die 68er-Jahre tauschte Schüssel
dann seine Ballermann-Kluft gegen Wuschelperücke und bunte
Sonnenbrille. Mit einer auf Oberursel bezogenen Version von Stefan
Raabs Drogen-Parodie "Wir kiffen" trieb er dem Publikum
Lachtränen in die Augen. "Als Häfner Orschel hat verschönt,
da war er sicher voll bedröhnt, seitdem, das weiß ja jeder Depp,
is" der Marktplatz ziemlich schepp", reimte er, gefeiert
von den Zuhörern.
Im Trikot der Nationalmannschaft wurde nach der Pause die Fußball-Weltmeisterschaft
seziert. "Ohne Holland – fahr'n wir zur WM", klang es
da aus den Lautsprecherboxen, auch hier wurden alle gängigen
Klischees bedient. Ob Frisurenvergleich zwischen Rudi Völler und
Winfried Schäfer oder der "Pizza quattro depressioni"
zum Ausscheiden der italienischen Mannschaft, alle bekamen ihr
Fett weg. "Dumm kickt gut", so "Schüssels"
Fazit.
Auch Stadtspezifisches wie die zahlreichen leer stehenden Geschäfte,
die Pollerflut oder der Knöllchenwahnsinn auf Orschels Straßen
wurden von "Schüssel" in beißender Satire
thematisiert. Hier ließ sich am Applaus gut erkennen, dass Schüssel
das ausspricht, was viele Orscheler denken – wenn er es auch um
einiges direkter formuliert.
Am Ende der Spaßveranstaltung wurde es dann auch einmal ernst.
Peter Schüßler bedankte sich bei seinem Publikum für Spenden in
Höhe von 1600 Euro. Das Geld war bei Auftritten "Schüssels"
für die Hinterbliebenen der Opfer der Terroranschläge in den USA
gesammelt worden. "Eine schöne Summe ist da
zusammengekommen", dankte Schüßler allen Spendern.
TZ-Leser können für "Schüssels" Auftritt am
Donnerstag im Brauhaus Karten gewinnen. Wir verlosen heute von 11
Uhr an fünf mal zwei Tickets, Telefonnummer (0 61 72) 92 73 62.
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